Spätfolgen einer Windpocken-Erkrankung

Bei knapp sechs Prozent aller Windpockenerkrankungen kommt es zu mehr oder weniger schweren Komplikationen. Es können auftreten:

  • bakterielle Superinfektion
  • Lungenentzündung
  • kleinhirnbedingten Koordinationsstörung
  • Sepsis
  • Reye-Syndrom (seltene und lebensbedrohliche Erkrankung von Gehirn und Leber – hepatische Enzephalopathie)
  • Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder der Leber
  • Veränderungen der Blutgefäße

Insbesondere aufgrund der seit einigen Jahren verfügbaren Impfung müssen jedoch in Deutschland jedes Jahr nur noch etwa 2,5 bis sieben Menschen je 100.000 Einwohner wegen einer Windpockenerkrankung im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Bakterielle Superinfektion am häufigsten
Diese wird überwiegend durch Staphylokokken verursacht. In der Folge kann es beispielsweise zu Lungenentzündungen, die bei Erwachsenen in etwa 0,2 bis 0,3 Prozent der Fälle auftreten, oder zu einer kleinhirnbedingten Koordinationsstörung kommen.

Auch eine von der Haut ausgehende bakterielle Infektion des gesamten Körpers (Sepsis) ist eine gefürchtete Komplikation der Windpocken. Sie tritt bei Kindern in etwa zwei bis drei von 10.000 Fällen auf.

Veränderung der Blutgefäße eher selten
Das Reye-Syndrom, Entzündungen des Gehirns, der Hirnhaut oder der Leber (Hepatitis) können ebenfalls vorkommen, ebenso wie Beschwerden an Gelenken. In seltenen Fällen treten Veränderungen von Blutgefäßen auf, die einen Schlaganfall zur Folge haben können.

Komplikationen bei Kindern sind selten

In der Regel verlaufen Windpocken harmlos. Dennoch besteht bei jeder Windpockenerkrankung auch die Gefahr, dass es zu einem schwereren Krankheitsverlauf kommt oder dass Komplikationen entstehen. Besonders gefährdete Risikogruppen sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie Schwangere. Während Todesfälle bei den meist unkompliziert verlaufenden Erstinfektionen mit dem Varizella-Zoster-Virus im Kindesalter sehr selten sind, ist das Risiko eines tödlichen Krankheitsverlaufs bei den genannten Risikogruppen oder im Zusammenhang mit dem Auftreten von Komplikationen deutlich höher.

Keine genauen Zahlen der Komplikationsfälle
Insgesamt wird die Zahl der auf derartige Komplikationen zurückzuführenden Todesfälle in Deutschland mit jährlich 25 bis 40 Fällen angegeben. Eine in der Schweiz durchgeführte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass einer von 100.000 nicht geimpften und an Windpocken Erkrankten an der Krankheit oder an deren Folgen starb.

Einschränkend ist jedoch anzumerken, dass die in Deutschland vorliegenden Daten zu den Komplikationen von Windpocken bislang umstritten waren. Der Grund liegt zum einen darin, dass die meisten Windpockenfälle ohne Komplikationen gar nicht registriert wurden. Zum anderen wurden Windpockenerkrankungen bei älteren Kindern oder Jugendlichen in vielen Fällen möglicherweise nicht als solche erfasst und behandelt. Erst mit der Einführung der Meldepflicht für Windpocken im März 2013 wurde die Grundlage für eine systematische Erfassung aller Erkrankungsfälle und eventuell auftretender Komplikationen geschaffen. Zuvor war die Krankheit nur bei Kindern meldepflichtig, die einen Kindergarten, eine Schule oder eine andere Gemeinschaftseinrichtung besuchten.

Gürtelrose – Zweiterkrankung nach einer Windpockeninfektion

Etwa 20% derjenigen, die an Windpocken erkrankten, sind später einmal von einer Gürtelrose betroffen. gefunden auf: https://www.was-sind-windpocken.de/gefahren--komplikationen-12224.html
Etwa 20% derjenigen, die an Windpocken erkrankten, sind später einmal von einer Gürtelrose betroffen.

Rund zwanzig Prozent derjenigen, die sich irgendwann einmal mit dem Varizella-Zoster-Virus infiziert haben, erkranken später mindestens einmal an einer Gürtelrose (Herpes Zoster). Der Zusammenhang zwischen Windpocken und Gürtelrose war lange Zeit unbekannt. Erst im 20. Jahrhundert konnte nachgewiesen werden, dass die Viren nach einer Windpockenerkrankung weiterhin im Körper bleiben und an sensiblen Nervenfasern entlang bis in die Spinalganglien wandern. In bestimmten Situationen, wie beispielsweise bei einer Schwächung des Immunsystems oder bei hoher Stressbelastung, können die latenten Viren reaktiviert werden und lösen dann im Bereich der betroffenen Nerven eine Gürtelrose aus. Aufgrund dieses Zusammenhangs ist es auch möglich, dass sich nicht geimpfte beziehungsweise nicht immune Menschen bei einem an Gürtelrose Erkrankten mit Windpocken infizieren.

Mehrfache Windpocken-Erkrankung: selten, aber durchaus möglich

Wer als Kind die Windpocken hatte, bekommt die Krankheit in der Regel später nicht noch einmal. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Wenn die Krankheit zu einem sehr frühen Zeitpunkt durchgemacht wurde oder nur leicht verlief, kann es vorkommen, dass sich im Körper zu wenige Antikörper bilden. Dann ist es durchaus möglich, dass die betreffende Person die Windpocken zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal bekommt.

Windpocken bei Erwachsenen

Da die meisten Menschen sich bereits als Kind mit Windpocken infizieren, sind Erstinfektionen im Erwachsenenalter relativ selten. Wenn es dazu kommt, ist allerdings oft ein schwererer Krankheitsverlauf zu beobachten als bei Kindern. Zudem treten häufiger Komplikationen wie Hirnhautentzündungen, Lungenentzündungen oder Magen-Darm-Probleme auf. Eine Windpockenerkrankung bei Erwachsenen sollte daher immer besonders ernst genommen werden.

Häufig dauert die Krankheit bei Erwachsenen auch länger, mitunter können bis zu vier Wochen lang immer wieder neue Bläschen auftreten. Typisch ist auch ein im Vergleich zu Windpocken bei Kindern höheres Fieber, das bis auf 40 Grad ansteigen kann. Oft macht sich die Krankheit neben dem hohen Fieber auch durch ein allgemeines Krankheitsgefühl bemerkbar. Ein Problem besteht darin, dass die Windpocken bei Erwachsenen wegen ihrer relativen Seltenheit meist nicht als solche erkannt werden, sofern der Hautausschlag noch nicht sichtbar ist.

Können Windpocken bei Männern zur Impotenz führen?

Es wird immer wieder davon ausgegangen, dass Männer nach einer Infektion mit Windpocken zeugungsunfähig werden können. Bislang gibt es allerdings keine eindeutigen Belege für einen entsprechenden Zusammenhang. Zwar sind vor allem im Erwachsenenalter auch die Genitalien von dem Ausschlag betroffen, aber ist das kein Grund zur Annahme, dass eine Impotenz eintreten muss.

Windpocken in der Schwangerschaft

Windpocken in der Schwangerschaft können schwerwiegende Erkrankungen und im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt nach sich ziehen. gefunden auf: https://www.was-sind-windpocken.de/gefahren--komplikationen-12224.html
Windpocken in der Schwangerschaft können schwerwiegende Erkrankungen und im schlimmsten Fall eine Fehlgeburt nach sich ziehen.

Besonders schwerwiegend können die Folgen von Windpocken während der Schwangerschaft sein. So sind Lungenentzündungen als Komplikation beispielsweise rund zehnmal häufiger als bei Nichtschwangeren, und die Sterblichkeit erhöht sich etwa auf das Dreifache: sie liegt bei etwa 35 Prozent. Wird der Windpockenerreger in der Schwangerschaft auf das Kind übertragen, kann es bei einer symptomlosen Infektion bleiben, aber auch zu einer Erkrankung und schlimmstenfalls sogar zur Fehlgeburt kommen. Daher sollten Frauen, die nicht geimpft sind und die Windpocken noch nicht selbst durchgemacht haben, in der Schwangerschaft jeden Kontakt mit erkrankten Personen meiden.

Letzte Aktualisierung: 24.03.2015